3 Akt Struktur

Die 3 Akt Struktur ist so etwas wie die Mutter aller Strukturen einer Geschichte. Wir alle haben in der Schule bereits gelernt: „Eine jede Geschichte hat einen Anfang, ein…

Die 3 Akt Struktur ist so etwas wie die Mutter aller Strukturen einer Geschichte. Wir alle haben in der Schule bereits gelernt: „Eine jede Geschichte hat einen Anfang, ein Ende und dazwischen einen Mittelteil.“ Das sind drei Akte einer Geschichte (deutlich bekannter aus dem Theater). Urvater dieser Einteilung war kein geringerer als Aristoteles in seinem Werk „Poetik“. Der Mittelteil soll so lang sein, wie Anfang und Ende zusammen.

Jeder Akt ist textsequentiell wie dramaturgisch und inhaltlich als geschlossene kausallogische Erzähleinheit – gemäß des handlungsfunktionalen Schemas „Exposition, Konfrontation, Auflösung“ – zu verstehen; die Erzählzeit der drei Akte (bzw. Aktlänge) soll im Verhältnis 1:2:1 stehen. (Lexikon der Filmbegriffe Uni Kiel)

So weit, so klar. Doch was ist nun das besondere daran?

Jeder dieser Akte hat seine Funktion. Und wenn er diese Funktion erfüllt, erfüllt die Story bereits unsere Grunderwartungen an eine Geschichte. Wir wollen verstehen können wer, wie, wann und wo ist. Wir wollen in das Leben des Helden eintauchen können und seinen „Ist-Stand“ zu Beginn der Story nachvollziehen.

Exposition / Einführung / 1. Akt

Der Held (Protagonist) der Geschichte wird in seinem normalen Lebensumfeld uns Alltag vorgestellt.

NEO aus Matrix liegt über seinem Computer eingeschlafen in einem mäßig wohnlichen Hacker-Zimmer. Der Zuschauer verfolgt den wenig selbstbewussten NEO, wie er mit illegalen Daten dealt und tagsüber seinem Job als Programmierer in einem großen, unpersönlichen Unternehmen nachgeht.

Man gewinnt eine Vorstellung von der Realität, in der sich der Protagonist bewegt. Von seiner Persönlichkeit und auch seinen Grenzen. Das ist wichtig, denn in den meisten Geschichten wird eine Transformation – eine grundlegende Veränderung des Helden vollzogen. (im 2. Akt)

„Bei der Exposition handelt es sich um eine Vorgeschichte, die zur eigentlichen Geschichte hinführt und den raumzeitlichen Horizont der Handlung vermittelt. Auch werden im ersten Akt die wichtigsten Figuren, die Situation sowie grundlegende Probleme bzw. Konflikte eingeführt, welche die Handlung (Plot) in Gang bringen und vorantreiben.“ (3 Akt Struktur auf Wikipedia)

OK. der Empfänger der Story kennt jetzt also alle wichtigen Figuren und deren Ausgangssituation. Und jetzt?

Ist dann die Vorgeschichte geklärt, kommt der Zeitpunkt für den 1. Plot Point.

Der 1. Plotpoint

Das ist die Stelle, an der der Konflikt der Geschichte zum ersten Mal anklopft und den Protagonisten zum Helden macht, indem er in den Konflikt hineingezogen wird. In der Heldenreise wird diese Stelle auch als „der Ruf“ (des Abenteuers) bezeichnet.

Unser Freund NEO hat eine überraschende Unterhaltung mit einer fremden Hackerin an seinem Rechner, die Ihm rät, dem weißen Kaninchen zu folgen. Einen Moment später klopft es an seiner Tür. Ein Deal. Eine Einladung. Und eine Dame mit tätowiertem weißen Kaninchen.

Häufig verweigert der Held den ersten Ruf. Schließlich ist es eine gewisse Hürde, das Bekannte hinter sich zu lassen und in ein Abenteuer zu ziehen – oder sich dieses Konflikts anzunehmen. Es gibt schließlich auch noch so viele Andere, die da viel geeigneter wären… Doch wenn er damit durch käme, wäre die Geschichte ja schnell zu Ende erzählt.

NEO blieb in seiner Hackerbude. Er wurde ein durchschnittlicher Softwareentwickler in der unbekannten Softwarefirma und starb in hohem Alter, leicht griesgrämig vor seinem Rechner.

Wer würde das denn hören wollen???

Also verweigert sich der Held, bis drastischere Ereignisse ihn dann doch zwingen, aktiv zu werden und aus seinem Alltag auszubrechen. Oder er wird vom Lauf der Dinge quasi gegen seinen Willen gekidnappt.

NEO folgt der Einladung. Trifft in der Disco eine Unbekannte, die seine tiefsten Geheimnisse kennt und ihm eröffnet, dass „SIE“ Ihn beobachten. Tags drauf wird er von „IHNEN“, den Mr. Smiths der Matrix, in seinem Büro gejagt und überwältigt. Er erfährt beim Verhör und bei seiner erneuten Begegnung, dass die Welt, wie er sie kannte nie existierte.

DAS ist mal ein Ruf, den man nicht mehr ignorieren kann. Eine mysteriöse, schöne Frau, Morpheus, der Mann, der die Antwort auf alle Fragen kennt, Und die Möglichkeit zu erfahren, wie die Welt wirklich funktioniert.

Und worauf kommt es bei diesem Punkt an?

Der 1. Plot Point ist ein Wendepunkt der Geschichte und leitet den Übergang in den 2. Akt ein.

Zuhörer oder Zuschauer sollen sich mit dem Helden und seiner „normalen“ Welt identifizieren können. Es soll ein Rapport hergestellt werden. Der Held soll kein Held sein, sondern ein normaler, liebenswerter Mensch mit Schwächen und Marotten. Das war die Aufgabe des ersten Aktes. Jetzt, am 1. Plotpoint muss dieser Normalo aktiviert werden.

Doch so ein „Normalo“ stürzt sich nicht mir nichts, dir nichts in ein Abenteuer mit unbekanntem Ausgang. Das versteht jeder Zuschauer. Erst wenn er – gegen seinen Willen und durch höhere Mächte oder zumindest durch große Hartnäckigkeit aus seiner Komfortzone gelockt wird und vielleicht auch schon ein klein wenig Geschmack auf Abenteuer bekommen hat und jemand seine Lust angestachelt hat. DANN erwacht der Held in Ihm und das Abenteuer beginnt.

Nachdem Neo die rote Pille geschluckt hat, eines klar: Es gibt kein Zurück mehr. Er tritt über in eine neue Welt. Die reale, reale Welt.

Nach meinem Verständnis ist hier der Schlüssel, dass der Zuschauer sich mit dem Helden identifiziert UND die entstehende Motivation nachvollziehen kann. Er muss quasi denken „Klar. Wenn mir SOWAS passieren würde, dann würde ich auch zum Helden. Denn in mir steckt das auch.“

Konfrontation / Mittelteil / 2. Akt

Im 2. Akt steht der Konflikt im Vordergrund. Der Held setzt sich nun aktiv mit dem zentralen Problem auseinander und wird mit inneren und äußeren Herausforderungen konfrontiert. Er holt sich blutige Nasen. Doch er wächst. Er findet vielleicht Verbündete oder wächst selber über sich hinaus.

Der Mittelteil wird durch den zentralen Punkt in zwei Hälften geteilt.

Vor Erreichen des zentralen Punktes fehlt dem Helden noch eine wesentliche Information oder ein Hilfsmittel. Er kann nicht gewinnen. Doch er kämpft.

Wieso dann kämpfen, wenn er doch nicht gewinnen kann?

Der Spannungsbogen wird weiter gespannt. Auf verlorenem Posten kämpfend, werden mutigen Heldentaten vollbracht. Mitstreiter verloren. Neue Freunde Gewonnen. Doch fehlt eine zentrale Erkenntnis, die den Sieg (oft über sich selbst) erst möglich macht. So lange diese nicht erlangt wird, ist Hoffnung, alles. Und der Weg ist das Ziel. Denn er ist häufig notwendig, um zu der zentralen Erkenntnis gelangen zu können.

NEO erfährt vom Orakel, dass er nicht der Auserwählte ist. Doch in Ihrem Wartezimmer lehrt Ihn ein kleiner Junge „Du darfst nicht versuchen den Löffel zu verbiegen. Es gibt keinen Löffel…“

Das führt dann zum zentralen Punkt der Geschichte.

Zentraler Punkt

Der zentrale Punkt markiert die Stelle der Geschichte, an der der Held das ultimative Hilfsmittel in Seinem Kampf gegen das Problem erhält.

Dies ist häufig nicht offensichtlich. Es kann zwar eine Waffe oder ein Verbündeter sein. Häufig ist es aber auch nur eine zentrale Erkenntnis. Über das Problem, die eigentliche Natur des Problems oder auch tiefe Erkenntnisse über sich selbst.

NEO findet heraus, wie er die Matrix kontrollieren kann und „erwacht“ endgültig. Jetzt stellen für Ihn die Mr. Smiths kein Problem mehr dar. Für seine Freunde allerdings weiterhin.

„Am zentralen Punkt wird sich die Hauptfigur einer wichtigen Tatsache, eines wichtigen Zusammenhangs oder Aspekts bewusst, der ihr vorher nicht klar war. Es kann auch sein, dass die Hauptfigur nun einen wichtigen Beweis oder ein wichtiges Instrument erhält, das zur Lösung des Problems notwendig ist. Der zentrale Punkt hat damit auch eine Wendepunkt-Funktion, aber eher indem er die Geschichte, z. B. um eine wichtige Information bereichert. Er gibt aber nicht – wie ein Plot Point – eine grundlegend neue Richtung für die Geschichte vor. Dennoch gibt der zentrale Punkt die entscheidende Information, um einen Ansatzpunkt für die Lösung des Problems beziehungsweise Konflikts zu finden.

Nach dem zentralen Punkt kann die Hauptfigur die Lösung der Konfrontation gezielter vorantreiben, was zugleich den nächsten großen Wendepunkt – den zweiten Plot Point logisch vorbereitet, der dann in den dritten Akt überführt“ (3 Akt Struktur auf Wikipedia)

Bis er schließlich, auf dem Höhepunkt des Spannungsbogens, den zentralen Konflikt löst.

Ausleitung / Ende / 3. Akt

Schließlich kehrt der Held, bereichert durch Erfahrungen, Schätze, Verbündete, in seine normale Welt zurück. Manchmal ist das auch eine ganz neue Welt. Doch der 3. Akt zeichnet sich aus durch die Wiederherstellung von Alltag. Das Abenteuer ist vorbei. Normalität zieht wieder ein.

 

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