Glossar Psychologie Stand:

Trickster (Archetyp)

Trickster (Archetyp) in drei Sätzen

Der Trickster ist der Archetyp des Unruhestifters: der Schelm, der Narr, der Komiker, der mit List und Spott Ordnungen durcheinanderbringt. Er entlarvt Heuchelei, sticht aufgeblasene Würde an und erzwingt durch Chaos die Veränderung, die niemand freiwillig zulässt. Seine Funktion ist doppelt - er sorgt für komische Entlastung und für gesunde Unruhe. Der Trickster lacht über die Großen und stellt das Selbstverständliche bloß.

Was beschreibt der Trickster?

Der Trickster ist der Archetyp des Unruhestifters - der Schelm, der Narr, der listige Komiker, der mit Spott und Chaos die bestehende Ordnung durcheinanderbringt. Er ist der Einzige, der über die Mächtigen lachen und ihnen ungestraft die Wahrheit sagen darf, der aufgeblasene Würde ansticht und das Selbstverständliche bloßstellt.

Vogler verweist auf eine lange mythische Tradition: von Loki in der nordischen und Hermes in der griechischen Mythologie über den Hofnarren bis zu Schalksgestalten wie Till Eulenspiegel. Der Trickster ist ein archetypisches Urgestein des Erzählens.

Was der Trickster leistet

Seine Funktion ist doppelt:

  • Komische Entlastung. Er bricht die Spannung an den richtigen Stellen. Nach einem schweren Moment lockert der Trickster die Anspannung, gibt dem Publikum Luft und macht das Drama erst erträglich.
  • Gesunde Unruhe. Er erzwingt Veränderung, wo Stillstand herrscht. Indem er Ordnungen durcheinanderwirbelt, zwingt er Held und Welt aus erstarrten Mustern heraus. Er ist ein Katalysator des Wandels - nicht durch Kraft, sondern durch Störung.

Abgrenzung zum Schatten

Wichtig: Der Trickster will nicht zerstören, sondern aufrütteln. Wo der Schatten-Archetyp den Helden vernichten will, will der Trickster ihn nur aus der Fassung bringen - und tut ihm damit oft einen Dienst. Seine List ist subversiv, aber selten bösartig.

Trickster als Energie, nicht nur als Figur

Der Trickster kann ein eigenständiger Charakter sein. Häufiger aber ist er eine Energie, die andere Figuren zeitweise annehmen - der Held selbst in einem schlagfertigen Moment, ein Verbündeter, der mit einem Streich die Lage rettet, sogar ein Mentor, der durch eine unbequeme Pointe lehrt.

Was unterscheidet einen starken von einem schwachen Tricksterwert?

Eine hohe Archetyp-Stärke kennzeichnet eine durchgehend schelmische, subversive Figur, deren Unruhe die Geschichte prägt. Eine niedrigere Stärke markiert eine Figur, die nur in einzelnen Szenen die Ordnung stört, sonst aber eine andere Hauptrolle trägt.

Rolle im Charakter

Im Charaktersystem markiert der Trickster-Archetyp die Funktion des störenden Katalysators. Welche Persönlichkeit diese Unruhe trägt, bestimmen die unteren Schichten: hohe Extraversion macht den lauten Spaßmacher, hohe Offenheit den geistreichen Querdenker, eine ungesehene Wunde den, der hinter dem Lachen Schmerz verbirgt. Weil der Trickster eine bewegliche Energie ist, kann fast jede Figur seine Maske kurz aufsetzen - er gehört zu den am stärksten als Funktion und am wenigsten als feste Person gedachten Archetypen.

Verwandte Begriffe

Archetypen (Jung/Vogler) · Held · Schatten-Archetyp · Verbündeter