Glossar Psychologie Stand:

Selbstwerterhöhung (Grawe-Grundbedürfnis)

Selbstwerterhöhung (Grawe-Grundbedürfnis) in drei Sätzen

Selbstwerterhöhung und -schutz ist das vierte der vier Grawe-Grundbedürfnisse: der Antrieb, ein positives Bild von sich zu haben und zu bewahren - durch Anerkennung, Würde und das Gefühl, etwas wert zu sein. Es ist das am stärksten menschenspezifische der vier Bedürfnisse. In unserem Charaktersystem beschreibt dieser Wert, wie tragfähig oder fragil das Selbstbild einer Figur ist - und an dieser Stelle sitzt oft ihre verborgenste Wunde.

Was bedeutet das Selbstwertbedürfnis?

Selbstwerterhöhung und -schutz ist das vierte der vier Grawe-Grundbedürfnisse. Es ist der Antrieb, ein positives Bild von sich selbst zu haben und zu bewahren - durch Anerkennung, Würde und das Gefühl, etwas wert zu sein. Von den vier Bedürfnissen ist es das am stärksten menschenspezifische, weil es ein reflexives Selbst voraussetzt: die Fähigkeit, sich selbst zum Gegenstand der eigenen Bewertung zu machen.

Klaus Grawe übernahm es von Seymour Epstein. Im System steht es eng neben dem Bindungsbedürfnis, denn beide speisen sich aus sozialer Resonanz - aber während Bindung fragt „Bin ich gehalten?”, fragt der Selbstwert „Bin ich genug?”.

Hoch oder niedrig - was beschreibt der Wert?

Im Charaktersystem trägt das Selbstwertbedürfnis einen Befriedigungsgrad und eine chronische Frustration:

  • Hoch befriedigt: Die Figur ruht in sich. Sie kann Kritik aushalten, ohne zusammenzubrechen, und Anerkennung annehmen, ohne von ihr abhängig zu sein - ein stabiler innerer Boden.
  • Niedrig / chronisch frustriert: Hier sitzt Scham - das Gefühl, im Kern nicht genug zu sein -, dazu Minderwertigkeitsgefühle und eine hohe Kränkbarkeit. Die Figur ist überall dort verletzlich, wo ihr Wert infrage steht.
  • Überbefriedigt: Auch das Übermaß ist beschädigt - Grandiosität und Empathiedefizite. Der überhöhte Selbstwert wird auf Kosten anderer verteidigt.

Welche Rolle spielt der Selbstwert im Charakter?

Der Selbstwert ist im System die häufigste verborgene Wunde. Genau hier liegt im Storytelling-Sinn die Lüge, die ein Kind sich über sich selbst erzählt hat - „Ich bin nicht liebenswert”, „Ich bin nicht genug” - und die Maske, mit der die Figur diese Lüge als Erwachsene zu verdecken versucht: Leistung, Härte, Charme, Rückzug.

Deshalb ist ein chronisch frustrierter Selbstwert einer der stärksten Treibstoffe für einen Entwicklungsbogen. Die Figur kämpft nach außen um Anerkennung und Kontrolle, während die eigentliche Bewegung nach innen geht - zur Frage, ob sie auch ohne den Beweis von außen genug sein darf. Wenn diese Wunde sich im Lauf der Geschichte wandelt, wandelt sich die Figur.

Verwandte Begriffe

Grawe-Grundbedürfnisse · Bindung · Kontrolle und Orientierung · Lustgewinn und Unlustvermeidung