Glossar Psychologie Stand:

Wunsch

Wunsch in drei Sätzen

Der Wunsch ist das äußere, sichtbare Ziel einer Figur - in der Storytelling-Tradition nach John Truby das Want. Er wird von der Lüge getrieben und verspricht, sie zu lösen: ‚Wenn ich X erreiche, bin ich endlich wertvoll.‘ Der Wunsch treibt die sichtbare Handlung an, steht aber im Gegensatz zum Bedürfnis - der inneren Wahrheit, die die Figur tatsächlich befreien würde. Diese Spannung zwischen Wunsch und Bedürfnis ist die dramaturgische Kernspannung des Character Arcs.

Was ist der Wunsch?

Der Wunsch ist das äußere, sichtbare Ziel einer Figur - in der Storytelling-Tradition nach John Truby das Want. Er ist konkret und benennbar: als Experte anerkannt werden, den Wettkampf gewinnen, die Beförderung bekommen, die Liebe einer bestimmten Person erringen. Anders als die inneren Schichten ist der Wunsch das, was die Figur selbst aussprechen würde, wenn man sie fragt, was sie will.

Genau weil er sichtbar und greifbar ist, treibt der Wunsch die äußere Handlung an. Er gibt dem Zuschauer ein Ziel, dem er folgen kann - er strukturiert die Plot-Ebene der Geschichte.

Was beschreibt diese Schicht - und welche Rolle spielt sie?

Der Wunsch entspringt der Lüge und verspricht, sie zu lösen: nach dem Muster „Wenn ich X erreiche, bin ich endlich wertvoll / sicher / geliebt.” Damit ist er die nach außen gewendete Seite der Lüge. Sein dramaturgisches Gegenstück ist das Bedürfnis - die innere Wahrheit, die die Figur unabhängig von jeder Leistung tatsächlich befreien würde.

Diese Unterscheidung stammt aus Trubys The Anatomy of Story (2008) und ist die dramaturgische Kernspannung des Character Arcs. Oft muss die Figur ihren Wunsch aufgeben oder umdeuten, um ihr eigentliches Bedürfnis zu erkennen. Wer nur den Wunsch erfüllt, ohne das Bedürfnis zu berühren, erzählt eine hohle Geschichte - der Held bekommt, was er wollte, und merkt, dass es ihn nicht heilt.

Want versus Need - die Spannung im Kern

Truby unterscheidet Psychological Need und Moral Need; im System sprechen wir von Wunsch (Want) und Bedürfnis (Need). Der Wunsch ist Storytelling-Tradition und damit Evidenzklasse D - ein dramaturgisches Werkzeug, keine validierte psychologische Kategorie. Seine Kraft liegt in der erzeugten Spannung: Solange Wunsch und Bedürfnis auseinanderklaffen, hat die Figur einen Bogen zu gehen.

Welche Kernelemente machen den Wunsch aus?

  • Äußeres Ziel: konkret, sichtbar, von der Figur benennbar.
  • Treibt den Plot: strukturiert die sichtbare Handlung.
  • Aus der Lüge getrieben: verspricht, die Lüge zu lösen.
  • Gegenstück zum Bedürfnis: die Spannung zwischen beiden ist der Kern des Arcs.
  • Kann trügen: seine Erfüllung allein heilt die Figur nicht.

Verwandte Begriffe

Psyche-Schichten · Bedürfnis · Lüge · Sehnsucht · Spannungsbogen