Glossar Hypnose Stand:

VAKOG-Prädikate matchen

VAKOG-Prädikate matchen in drei Sätzen

Das Matchen von VAKOG-Prädikaten ist das gezielte Verwenden sinnesspezifischer Wörter, also Verben und Adjektive aus den fünf Sinneskanälen Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken, damit eine erzählte Szene innerlich erlebt statt nur verstanden wird. Die NLP-Lehre rät, den angeblich bevorzugten Sinneskanal des Hörers zu treffen, doch diese Vorzugskanal-These ist empirisch widerlegt. In meiner Praxis matche ich darum nicht einen Kanal, sondern bediene mehrere zugleich.

Was bedeutet VAKOG-Prädikate matchen?

VAKOG-Prädikate sind die Wörter, in denen ein Sinneskanal mitschwingt: sehen, blicken, hell (visuell), hören, klingen, leise (auditiv), fühlen, greifen, schwer (kinästhetisch), dazu riechen und schmecken. Sie zu matchen heißt im NLP, sie bewusst zu wählen statt sie dem Zufall zu überlassen. Das Kürzel VAKOG steht für visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch, gustatorisch und stammt aus der Repräsentationssystem-Theorie, die Richard Bandler und John Grinder beim Modellieren von Milton Ericksons Sprache formulierten (Bandler und Grinder, 1975).

Der Sinn dahinter ist handfest: Ein abstrakter Satz wird verstanden, ein sinnlicher wird erlebt. Sage ich „der Raum war unangenehm”, passiert im Kopf des Hörers wenig. Sage ich, es roch nach kaltem Rauch und das Linoleum klebte unter den Schuhen, baut er die Szene selbst. Genau dieses Selbstbauen ist der Trick, mit dem eine Geschichte an der Abwehr vorbeikommt.

Abgrenzung zu zwei Nachbarmustern

Drei Begriffe werden ständig verwechselt, obwohl sie auf verschiedenen Ebenen arbeiten. Die Repräsentationssystem-Wahl ist die übergeordnete Frage des Erzählmodus: Erzähle ich diese Geschichte überhaupt eher als Bild, als Klang oder als Körpergefühl? Das VAKOG-Matchen setzt eine Stufe darunter an, es wählt die einzelnen Sinnes-Wörter, mit denen dieser Modus dann gefüllt wird.

Noch feiner liegt die Submodalitäten-Modulation: Sie verändert nicht den Kanal, sondern die Regler innerhalb eines Bildes, das schon steht, heller oder dunkler, näher oder ferner, lauter oder leiser. Kurz: Die Repräsentationssystem-Wahl bestimmt den Kanal, das VAKOG-Matchen liefert die Wörter, die Submodalitäten drehen an den Feineinstellungen des fertigen Bildes.

Ein Beispiel aus meiner Praxis

Ich schreibe einen Satz erst nackt und dann multisensorisch, damit der Unterschied greifbar wird. Nackt: „Sie betrat die alte Werkstatt und fühlte sich ruhig.” Gematcht über mehrere Kanäle:

„Sie schob die Tür auf, und das Licht fiel staubig durch die hohen Fenster (visuell), irgendwo tickte eine Uhr in die Stille (auditiv), es roch nach Öl und altem Holz (olfaktorisch), und als sie die Werkbank berührte, lag das Holz glatt und warm unter ihrer Hand (kinästhetisch).”

Vier Kanäle in einem Satz, und der Hörer steht selbst in dem Raum. Wichtig: Ich treffe hier nicht einen vermeintlichen Vorzugskanal, ich öffne mehrere Türen zugleich und überlasse es dem Hörer, durch welche er geht.

Was wirklich belegt ist und was nicht

Hier muss ich gegen die eigene Zunft aussagen. Die NLP-These, man müsse den an Prädikaten und Augenbewegungen erkennbaren Vorzugskanal des Hörers treffen, ist empirisch widerlegt. Christopher Sharpley kam 1987 in einer zweiten Forschungsübersicht zu dem Schluss, die Daten zu NLP seien schlüssig und stützten dessen Prinzipien und Verfahren nicht (Sharpley, 1987). Tomasz Witkowski zog 2010 über fünfunddreißig Jahre Forschung Bilanz, von dreiunddreißig auswertbaren Studien widersprachen 54,5 Prozent den NLP-Annahmen, nur 18,2 Prozent stützten sie (Witkowski, 2010).

Das Matchen eines bevorzugten Kanals trägt also nicht. Was dagegen real wirkt, ist der multisensorische Reichtum selbst: Je lebendiger und sinnlich dichter ein Text ist, desto eher versinkt der Hörer in ihm (Transportation, narrative Vividness). Die ausführliche Widerlegung mit Heap und Witkowski im Detail steht in der Repräsentationssystem-Wahl. Die Konsequenz für die Praxis ist einfach: Ich diagnostiziere keinen Vorzugskanal mehr, ich bediene mehrere.

Welche Kernelemente machen das VAKOG-Matchen aus?

  • Sinnesspezifische Wörter: Verben und Adjektive aus Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken statt abstrakter Begriffe wie „unangenehm” oder „schön”.
  • Multisensorik vor Vorzugskanal: Mehrere Kanäle in einer Szene öffnen, nicht den einen „richtigen” suchen, denn der Vorzugskanal ist widerlegt (Sharpley 1987, Witkowski 2010).
  • Erleben statt erklären: Das Ziel ist, dass der Hörer die Szene innerlich baut, nicht dass er sie verstandesmäßig zur Kenntnis nimmt.
  • Abgrenzung wahren: Kanal-Frage (Repräsentationssystem-Wahl) und Feinregler (Submodalitäten) sind eigene Ebenen, hier geht es nur um die Wortwahl.

Verwandte Begriffe

Das Milton-Modell · Submodalitäten-Modulation · Repräsentationssystem-Wahl