Glossar Psychologie Stand:

Voice-Archetypen (voice_typ)

Voice-Archetypen (voice_typ) in drei Sätzen

Der Voice-Archetyp ist die kanonisch festgehaltene Sprech-Identität einer Figur: ein Kurz-Etikett wie sachlich-analytisch, emotional-verletzlich oder alt-weise, das den charakteristischen Tonfall, das Tempo und die typische Korrekturweise einer Stimme bündelt. Anders als die einzelnen Sprechmuster ist er relational gedacht - er sorgt dafür, dass sich die Figuren eines Casts hörbar voneinander unterscheiden und über viele Szenen hinweg gleich klingen.

Was sind Voice-Archetypen (voice_typ)?

Der Voice-Archetyp ist die kanonisch festgehaltene Sprech-Identität einer Figur. Im Charakterprofil steht er im Feld voice_typ und besteht aus einem knappen Etikett - sachlich-analytisch, emotional-verletzlich, pragmatisch-körperlich, alt-weise und so weiter. Dieses Etikett verdichtet, wie eine Figur spricht: ihren Grundton, ihr Tempo, ihre Lieblings-Bewegung im Gespräch und vor allem, wie sie korrigiert oder widerspricht - über die eine präzise Frage, über einen Vortrag, über Ironie oder über Schweigen.

Wichtig ist die Abgrenzung nach unten: Direkt darunter liegen die granularen speech_patterns mit Wortschatz-Niveau, Satzlänge, Förmlichkeit, Catchphrases und Sprech-Tics. Diese beschreiben die Oberfläche einer einzelnen Stimme. Der Voice-Archetyp fasst diese Oberfläche zu einer wiedererkennbaren Gestalt zusammen und macht sie benennbar.

Warum qualifiziert sich das als sinnvolles System-Feld?

Ein Persönlichkeitsmodell wie HEXACO sagt voraus, wofür eine Figur anfällig ist. Es sagt nichts darüber, wie sie klingt. Genau diese Lücke füllt der Voice-Archetyp. Er ist die oberste Ebene der Voice-Schicht und damit die Brücke zwischen Psychologie und hörbarem Dialog.

Seine eigentliche Berechtigung ist relational, nicht psychometrisch. Ein einzelnes Profil mit guten Sprechmustern erzeugt noch keinen lebendigen Cast - erst der Kontrast zwischen den Stimmen macht ein Ensemble greifbar. voice_typ ist deshalb bewusst als Cast-Konsistenz-Anker angelegt: Es stellt sicher, dass die zwölf Stimmen einer Geschichte sich hörbar voneinander unterscheiden und dass dieselbe Figur über fünfzig Szenen hinweg gleich klingt. Das ist die seit Aristoteles’ Poetik benannte Forderung nach angemessenem, figurentreuem Sprechen (lexis) und in der modernen Drehbuchlehre, etwa bei Robert McKee, der Prüfstein guten Dialogs: dass man eine Figur an einer einzigen Zeile erkennt, ohne den Namen davor zu lesen.

Als Evidenzklasse bleibt der Voice-Archetyp bewusst bescheiden: Er ist ein erzähltechnisches Werkzeug (Klasse D im Sinne der internen Evidenz-Ontologie), kein klinisch validierter Messwert wie HEXACO oder die Grawe-Grundbedürfnisse. Genau deshalb ist er kein Zahlenwert, sondern ein relationales Etikett mit Verweis auf den Cast-Voice-Kanon.

Was tut das Feld konkret?

voice_typ wird an drei Stellen der Story-Pipeline gelesen:

  • character-actor liest den Archetyp gemeinsam mit voice_finish - dem LLM-Routing-Objekt, das Modell und Begründung für die Dialog-Generierung festhält. Der Archetyp bestimmt den Sprech-Stil, voice_finish das passende Modell. So bekommt eine hypnotisch-permissive Stimme ein anderes Finishing als eine kindlich-direkte.
  • voice-checker prüft fertige Dialoge gegen voice_typ und die speech_patterns. Klingt eine Zeile nicht nach dem Archetyp der Figur, schlägt er Alarm - das ist die Qualitätssicherung gegen Stimmen-Drift.
  • Der Cast-Voice-Kanon (referenziert über _voice-kanon.md) hält die relationalen Bezüge: Welche Stimmen dürfen sich ähneln, welche müssen kontrastieren? Der Archetyp ist der Schlüssel, über den eine Figur dort eingehängt wird.

Feste Werte oder Freitext?

Es gibt keine starre Enum-Liste. In der Praxis trägt jede Figur entweder einen knappen Archetyp-Schlüssel oder eine ausführlichere, figurenspezifische Beschreibung (etwa „nüchterner Handwerks-Mentor - knapp, fragend, warm-trocken; korrigiert über die eine präzise Frage”). Über den gesamten Cast hat sich jedoch ein wiederkehrendes Vokabular herausgebildet: Eine Handvoll Archetypen wird immer wieder vergeben und bildet damit das De-facto-System. Genau diese mehrfach genutzten Archetypen sind als eigene Glossar-Einträge ausgeführt - die figurenspezifischen Einzelnennungen bleiben Sache des jeweiligen Profils.

Verwandte Begriffe

HEXACO · Maske · Archetypen (Jung/Vogler) · Grawe-Grundbedürfnisse