Sorglosigkeit (Veränderungsphase 1)
Sorglosigkeit (Veränderungsphase 1) in drei Sätzen
Sorglosigkeit ist die erste der fünf Veränderungsphasen, im Original Precontemplation genannt. Eine Figur in diesem Stadium sieht ihr Problem nicht - oder verlegt es nach außen: Das Problem haben die anderen. Sie hat keine Absicht, in absehbarer Zeit etwas zu ändern, und wehrt Veränderungsdruck mit Verleugnung und Rationalisierung ab.
Was beschreibt die Sorglosigkeit?
Sorglosigkeit - im Original Precontemplation - ist die erste der fünf Veränderungsphasen. Sie ist das Stadium, in dem eine Figur noch gar nicht weiß, dass sie an einem Wendepunkt steht. Es gibt kein Problembewusstsein und keine Absicht, in den nächsten Monaten etwas zu ändern. Das Muster läuft, aber die Figur erlebt es nicht als Problem.
Prochaska und DiClemente beschreiben die typische innere Haltung mit zwei Sätzen: „Ich habe kein Problem” und „Das Problem haben andere.” Wo Druck von außen kommt, wird er abgewehrt - durch Verleugnung, durch Rationalisierung („So bin ich eben”), durch das Verschieben der Ursache nach außen. Das ist keine Dummheit, sondern Schutz: Das Muster erfüllt eine Funktion, und solange das nicht spürbar wird, gibt es keinen Grund, daran zu rütteln.
Was beschreibt der Wert?
In der Pro-Kontra-Bilanz der Veränderung überwiegen in diesem Stadium klar die Gegengründe - die Vorteile des Status quo sind sichtbar, die Kosten nicht. Die Selbstwirksamkeit, also die Zuversicht, überhaupt etwas ändern zu können, ist meist niedrig, oft weil die Frage sich nie gestellt hat. Eine Figur in der Sorglosigkeit ist nicht passiv im Sinne von schwach; sie ist überzeugt, dass alles in Ordnung ist.
Rolle im Charakter
Im Charaktersystem markiert die Sorglosigkeit den Ausgangspunkt vieler Entwicklungsbögen. Hier lebt die Figur noch ganz hinter ihrer Maske, das Schutzmuster ist intakt und unbefragt. Erzählerisch ist das das Stadium vor dem auslösenden Ereignis: Hier wird der Boden gelegt, hier sitzt die größte Fallhöhe, weil die Figur am weitesten von der Einsicht entfernt ist.
Im Coaching-Modus, also bei der Arbeit mit realen Menschen, hat dieses Stadium eine besondere Konsequenz: Es schaltet das Readiness-Gate scharf. Konkrete Handlungsappelle werden blockiert, weil sie einem Menschen ohne Problembewusstsein nur Widerstand erzeugen. Erlaubt sind hier ausschließlich Bewusstseins-Arbeit - behutsame Psychoedukation über das Muster ohne Veränderungsdruck - und das Erkunden der Ambivalenz im Sinne des Motivational Interviewing von Miller und Rollnick. Der nächste sinnvolle Schritt ist nicht Handeln, sondern Sehen.
Verwandte Begriffe
Veränderungsphasen · Bewusstwerdung · Vorbereitung · Handlung · Aufrechterhaltung