Bewusstwerdung (Veränderungsphase 2)
Bewusstwerdung (Veränderungsphase 2) in drei Sätzen
Bewusstwerdung ist die zweite der fünf Veränderungsphasen, im Original Contemplation. Hier hat die Figur ihr Problem erkannt - und steckt im Zwiespalt. Sie weiß, dass sie etwas tun sollte, schwankt aber zwischen Veränderung und Beibehalten. Dieses chronische Abwägen kann ein Stadium der höchsten inneren Spannung sein.
Was beschreibt die Bewusstwerdung?
Bewusstwerdung - im Original Contemplation - ist die zweite der fünf Veränderungsphasen. Sie beginnt in dem Moment, in dem eine Figur ihr Problem nicht mehr leugnen kann. Das Muster ist gesehen, die Notwendigkeit einer Veränderung wird zugegeben. Prochaska und DiClemente datieren die Absicht hier präzise: Die Figur will in den nächsten sechs Monaten etwas ändern - aber noch nicht im nächsten Monat. Genau in dieser Lücke liegt das Stadium.
Die innere Haltung bringt ein einziger Satz auf den Punkt: „Ich weiß, ich sollte etwas tun, aber …” Das „aber” ist das Wesen der Phase. Die Figur ist ambivalent - nicht ahnungslos wie in der Sorglosigkeit, sondern zerrissen. Sie sieht die Gründe für die Veränderung und die Gründe dagegen, und beide haben Gewicht.
Was beschreibt der Wert?
In der Pro-Kontra-Bilanz halten sich Vorteile und Kosten der Veränderung ungefähr die Waage; der Kreuzungspunkt, an dem die Vorteile endgültig überwiegen, ist noch nicht erreicht - er liegt erst in der Vorbereitung. Der Ambivalenz-Wert einer Figur ist hier typischerweise am höchsten. Die Gefahr dieses Stadiums hat einen eigenen Namen: das chronische Abwägen (Chronic Contemplation). Manche Menschen bleiben jahrelang hier hängen, ständig kurz vor der Entscheidung, ohne sie je zu treffen - eine Art produktiv wirkender Stillstand.
Rolle im Charakter
Für das Erzählen ist die Bewusstwerdung das dramatisch ergiebigste der frühen Stadien. Eine Figur im Maximum ihrer Ambivalenz ist innerlich aufgeladen: Sie kämpft mit sich selbst, jedes Argument hat ein Gegenargument, jede Bewegung nach vorn löst einen Rückzug aus. Das ist hochverdichteter Stoff für Dialog und innere Szene. Der Wendepunkt, an dem die Waage endlich kippt, ist oft der emotionale Kern eines ganzen Bogens.
Im Coaching-Modus öffnet sich das Readiness-Gate hier ein erstes Stück. Anders als in der Sorglosigkeit sind nun Anstöße erlaubt, die an der Ambivalenz selbst arbeiten: die Selbst-Neubewertung („Was wäre mein Leben ohne dieses Muster?”) und die explizite Pro-Kontra-Analyse, die Decisional Balance. Was noch verfrüht wäre, ist der konkrete Handlungsplan - der gehört in die Vorbereitung. Wer einer schwankenden Figur jetzt Schritt-für-Schritt-Anweisungen gibt, treibt sie eher in den Widerstand.
Verwandte Begriffe
Veränderungsphasen · Sorglosigkeit · Vorbereitung · Handlung · Aufrechterhaltung