Selbstaufopferung (Schema)
Selbstaufopferung (Schema) in drei Sätzen
Selbstaufopferung ist das Schema der Domäne Fremdbezogenheit, das den Helfer hervorbringt, der sich selbst vergisst. Eine Figur mit diesem Schema stellt die Bedürfnisse anderer freiwillig über ihre eigenen - aus echtem Mitgefühl und aus Schuld, wenn sie an sich selbst denkt. Anders als bei der Unterwerfung geschieht das nicht aus Angst, sondern aus übersteigerter Güte.
Was beschreibt das Aufopferungs-Schema?
Selbstaufopferung - im Englischen Self-Sacrifice - ist das Schema der Domäne Fremdbezogenheit, dessen Kernsatz lautet: Ich muss mich aufopfern. Eine Figur mit diesem Schema stellt die Bedürfnisse anderer freiwillig und übermäßig über die eigenen - aus echtem Mitgefühl, aus dem Wunsch, niemandem Leid zuzufügen, und aus Schuld, sobald sie an sich selbst denkt.
Sie ist hypersensibel für den Schmerz anderer und hält ihre eigenen Bedürfnisse für nachrangig, fast für egoistisch. Auf Dauer führt das in einen Kreislauf: Erschöpfung und versteckter Groll wachsen, weil die eigenen Bedürfnisse nie gesehen werden - was wiederum Schuld auslöst, was die Aufopferung verstärkt.
Abgrenzung zur Unterwerfung
Beide Schemata geben anderen Vorrang, aber aus entgegengesetzten Quellen. Die Unterwerfung handelt aus Angst vor Strafe. Die Selbstaufopferung handelt aus Schuld und Güte - sie ist scheinbar freiwillig und fühlt sich sogar gut an, bis die Erschöpfung kommt. Das macht sie für die Figur schwerer zu erkennen: Sie hält ihre Wunde für eine Tugend.
Das Schema entsteht oft, wenn ein Kind früh Verantwortung für Eltern oder Geschwister tragen musste - die parentifizierte Rolle.
Hoch gegen niedrig
Bei hoher Intensität löscht sich die Figur in der Fürsorge für andere völlig aus. Bei niedriger Intensität bleibt nur eine ausgeprägte, gesunde Hilfsbereitschaft.
Rolle im Charakter
Im Charaktersystem erzeugt dieses Schema den selbstvergessenen Helfer, Pfleger oder Retter - eine sympathische Figur mit einer Wunde, die als Stärke getarnt ist. Der ergiebige Bogen ist hier nicht der Bruch, sondern die schmerzhafte Einsicht, dass auch die eigenen Bedürfnisse zählen dürfen.
Verwandte Begriffe
Young-Schemata · Unterwerfung · Emotionale Entbehrung · Grawe-Bindung