Glossar Psychologie Stand:

Verstrickung/unentwickeltes Selbst (Schema)

Verstrickung/unentwickeltes Selbst (Schema) in drei Sätzen

Verstrickung/unentwickeltes Selbst ist das Schema der Domäne beeinträchtigte Autonomie, bei dem die Grenze zwischen Selbst und anderem fehlt. Eine Figur mit diesem Schema ist emotional so eng mit einer Bezugsperson - meist einem Elternteil - verschmolzen, dass sie ohne diese Verbindung keine eigene Identität, keinen eigenen Lebenssinn empfindet. Eigenständigkeit fühlt sich wie Verrat oder Leere an.

Was beschreibt das Verstrickungs-Schema?

Verstrickung/unentwickeltes Selbst - im Englischen Enmeshment/Undeveloped Self - ist das Schema der Domäne beeinträchtigte Autonomie und Leistung, dessen Kernsatz lautet: Ich und andere sind nicht getrennt. Eine Figur mit diesem Schema ist emotional so eng mit einer Bezugsperson - meist einem Elternteil - verschmolzen, dass sie keine eigene Identität, keine eigenen Vorlieben und keinen eigenen Lebenssinn ausgebildet hat.

Sie spürt die Gefühle des anderen als ihre eigenen, definiert sich vollständig über die Beziehung und erlebt Eigenständigkeit als Verrat oder Leere. Sich abzugrenzen löst Schuld aus, nicht Befreiung. Das Schema entsteht aus überengen, grenzenlosen Eltern-Kind-Beziehungen, in denen Autonomie unterbunden oder als Liebesentzug bestraft wurde.

Abgrenzung zur Abhängigkeit

Die Abhängigkeit sagt: Ich kann es nicht allein. Die Verstrickung sagt: Es gibt kein eigenständiges Ich. Die abhängige Figur traut sich nichts zu, hat aber ein Selbst. Die verstrickte Figur hat nie ein abgegrenztes Selbst entwickelt - das ist die tiefere Wunde.

Hoch gegen niedrig

Bei hoher Intensität bleibt die Figur leer und orientierungslos zurück, sobald sie auf sich gestellt ist; sie weiß nicht, was sie will, weil sie immer nur wollte, was der andere wollte. Bei niedriger Intensität zeigt sich nur eine starke, aber überwindbare Prägung durch die Herkunftsfamilie.

Rolle im Charakter

Im Charaktersystem eignet sich dieses Schema für Figuren im Loslösungskonflikt - das erwachsene Kind, das sich nie von einem Elternteil emanzipiert hat. Der Erzählbogen, der ein eigenes Selbst erst entstehen lässt, ist hier kein Nebenstrang, sondern die zentrale Identitätsfindung.

Verwandte Begriffe

Young-Schemata · Abhängigkeit/Inkompetenz · Unterwerfung · Psyche-Selbstbild