Masterplot
Masterplot in drei Sätzen
Ein Masterplot ist ein archetypisches Handlungsmuster - das inhaltliche Grundgerüst, das einer Geschichte ihren Antrieb gibt, etwa Suche, Rache, Verwandlung oder Wettstreit. Anders als eine Wirkstruktur, die die Reihenfolge regelt, bestimmt der Masterplot das Was: die Art des Konflikts und das Ziel der Figur. Der Begriff wurde durch Ronald B. Tobias geprägt, der zwanzig solcher Grundmuster beschreibt.
Was ist ein Masterplot?
Ich habe lange geglaubt, eine gute Idee sei schon eine Geschichte - bis ich merkte, dass meine Ideen ohne ein klares Grundmuster zerfaserten und niemanden mitnahmen. Erst der Masterplot gab ihnen einen Konflikt und ein Ziel, an dem der Hörer sich festhalten konnte. So aufgeräumt, wie diese Definition klingt, war mein Weg dahin nicht; welche zwanzig Muster Tobias unterscheidet und wie du sie einsetzt, steht im Beitrag über die 20 Masterplots.
Evidenz-Ehrlichkeit: Was mich beim Vergleichen der Listen geerdet hat - die Zahl und Abgrenzung der Masterplots ist eine ordnende Setzung, kein empirischer Befund - andere Autoren zählen anders: Georges Polti nannte 36 dramatische Situationen, Christopher Booker sieben Grundplots. Nützlich als Werkzeugkasten, nicht als Naturgesetz.
Welche Kernelemente machen einen Masterplot aus?
- Das Was, nicht das Wie: liefert Konflikt und Ziel, nicht die Anordnung der Szenen.
- Archetypische Muster: Suche, Abenteuer, Verfolgung, Rache, Rätsel, Wettstreit, Verwandlung, Liebe, Versuchung.
- Erwartung erzeugt Spannung: sobald der Hörer das Muster erkennt, weiß er unbewusst, worauf er achten muss.
- Herkunft: Ronald B. Tobias, 20 Master Plots, and how to build them (1993).
- Kombinierbar: keine starren Formeln, sondern Muster, die sich schichten und mischen lassen.
Welche zwanzig Masterplots gibt es?
Tobias unterscheidet zwanzig Grundmuster. Grob lassen sie sich danach ordnen, ob die Handlung treibt oder die Figur sich wandelt - die Grenze ist fließend, und gute Geschichten schichten beides. Jedes Muster habe ich einzeln aufgeschrieben:
Handlungsgetrieben - was geschieht:
- Die Suche - der Held sucht ein Ziel und findet dabei sich selbst.
- Das Abenteuer - die Fahrt zählt mehr als das Ankommen.
- Die Verfolgung - die reine Jagd, gewonnen am knappen Abstand.
- Die Rettung - ein Held befreit ein Opfer aus fremder Gewalt.
- Die Flucht - der Gefangene bricht selbst aus.
- Die Rache - Vergeltung, wenn die Justiz versagt.
- Das Rätsel - die Lösung liegt offen vor aller Augen.
- Der Wettstreit - zwei Ebenbürtige ringen um ein Gut.
- Der Chancenlose - der Unterlegene siegt gegen alle Wahrscheinlichkeit.
Figurengetrieben - wer sich wandelt:
- Die Versuchung - der Held gibt nach und lernt aus den Folgen.
- Die Verwandlung - ein körperlicher Fluch, der innere Reife verlangt.
- Die Transformation - der seelische Umbau über einen Lebensabschnitt.
- Die Reife - das Erwachsenwerden mit allem Sträuben.
- Die Liebe - zwei Ungleiche, deren Liebe sich bewähren muss.
- Verbotene Liebe - die Liebe gegen die gesellschaftliche Ordnung.
- Die Aufopferung - das kostspielige Opfer einer selbstbezogenen Figur.
- Die Entdeckung - eine Wahrheit zerbricht das Gleichgewicht.
- Zügellos - der schleichende Verlust der Selbstbeherrschung.
- Der Aufstieg - die Erhebung aus der Gosse zu verdienter Würde.
- Der Abstieg - der tragische Sturz durch eigenen Fehler.
Wie ich aus diesen Vorlagen ganze Geschichten zusammensetze, steht im Beitrag über die 20 Masterplots.
Verwandte Begriffe
Heldenreise · Drei-Akt-Struktur · Kishōtenketsu · Narrative Transportation · Spannungsbogen